Komm red mit! Kommunalwahl 2020 – jugendpolitische Themen

Was junge Menschen unter den Nägeln brennt

Drei Jugendringe entwickeln die kommunalpolitische Kampagne „Komm red‘ mit!“

Politiker setzen sich nicht irgendwas zum Ziel. Sie versuchen, das umzusetzen, was ihren Wählerinnen und Wählern wichtig ist. Den aktuellen. Und den künftigen. Um das tun zu können, müssen sie wissen, was Bürger verschiedenster Couleur bewegt. Die Jugendlichen in der Region interessieren insbesondere vier große Themen: Sie möchten einen besseren Nahverkehr, mehr Engagement für Klimaschutz, effiziente Maßnahmen gegen „Hate Speech“ in den digitalen Medien und sie fordern Mitbestimmung ein.

Die bevorstehende Kommunalwahl wollen die drei Jugendringe als Chance wahrnehmen, das, was Jugendliche beschäftigt, an die Politik heranzutragen. Konkret geschieht dies durch vier kurze Videos, die bei öffentlichen Veranstaltungen gezeigt und im Laufe dieses Monats ins Netz gestellt werden.
Bereits im Sommer 2019 schlossen die drei sich zu einer bisher einmaligen Gemeinschaftsinitiative in Sachen Mitbestimmung zusammen. „Komm red‘ mit!“ nennt sich das jugendpolitische Leuchtturmprojekt, das vom Bezirksjugendring Unterfranken finanziell gefördert wird.

Was die Jugendringe mit ihrem Projekt anvisieren, erläutert Christoph Simon, Vorsitzender des Kreisjugendrings Schweinfurt: „Wir möchten jungen Menschen bei der Kommunalwahl eine Stimme geben.“ Das geschieht bei Treffen mit Kommunalpolitikern. Und das geschieht bei den U-18-Wahlen. Die werden am 5. März in Schulen des Kreises Schweinfurt und am 6. März in der Stadt Würzburg organisiert. In Schweinfurt wählen die Jugendlichen den Landrat, von dem sie denken, dass er ihre Interessen am besten vertritt. In Würzburg wählen sie den Oberbürgermeister respektive die Oberbürgermeisterin, bei dem oder der sie ein Feeling für Jugendthemen vermuten.

Noch können Jugendliche nicht dafür oder dagegen votieren, steht ein kommunales Projekt zur Debatte. Auch wenn dieses Projekt sie hautnah betrifft. Das Wahlalter liegt bundesweit bei 16 bis 18 Jahren. Was die Jugendringe seit langem ändern wollen. „Wir treten für ein Wahlalter von 14 Jahren ein“, sagt André Fischer, Vorstand des Würzburger Stadtjugendrings. Im Kurzfilm „Mitbestimmung“ wird eindrücklich dargelegt, warum es so fatal ist, dass Jugendliche in der Regel nur sehr indirekt mitreden können. Jugendliche, das erklären auch Politiker gern vollmundig, sind unsere Zukunft. Also, bitte, dann lasst sie endlich mitsprechen und mitbestimmen – und verschließt euch der Zukunft nicht!

Früher wurde Jugendlichen vorgeworfen, sie würden einen Bogen um die Politik machen. Sie wären „bocklos“. Nur auf ihr Vergnügen aus. Das hat sich grundlegend gewandelt. „Die Jugend heute ist politisiert“, so Fischer. In welchem Maße, zeigt die Protestbewegung Fridays for Future. An den Erwachsenen liegt es nun, auf dieses Engagement zu reagieren. Denn die Jugendlichen erwarten, dass sie ernst genommen und gehört werden. Das betrifft den Klimaschutz. Aber zum Beispiel auch den Nahverkehr. Im Kurzfilm “ÖPNV“ wird dargelegt, was es für einen Jugendlichen bedeutet, wenn er sich abends nicht mit anderen treffen kann, weil kein Bus mehr zurückfährt.

Natürlich kann nicht umstandslos alles einfach akzeptiert werden, was sich Jugendliche wünschen. Das wissen die Macher von „Komm red‘ mit!“ Und das wollen sie den Jugendlichen auch vermitteln. „In einer Demokratie heißt es, Kompromisse zu finden“, sagt Christoph Simon. Bei jedem Thema gibt es Argumente dafür. Und Argumente dagegen. Wichtig bleibt, dass jeder, der von einer Thematik betroffen ist, seine Argumente vorbringen kann. Dass er gehört wird. Und dass er zur Konsensfindung beitragen darf.

Dass Jugendliche eben nicht am liebsten chillen und abhängen, wird daran deutlich, dass sie sich in der Region in Dutzenden Verbänden engagieren. Angefangen von den Pfadfindern bis zur Evangelischen Jugend. Im Landkreis Würzburg existiert seit kurzem sogar ein Jugendparlament, berichtet Manuela Schneider, Vorsitzende des Kreisjugendrings Würzburgs, die selbst aus der Sportjugend stammt. In der Stadt Würzburg beteiligen sich die jungen Leute über die „Jugendpolitischen Standpunkte“, die sie für die Legislaturperiode 2014 bis 2020 entwickelt haben und die nun fortgeschrieben werden sollen. In Schweinfurt gibt es ein ähnliches Projekt.

Obwohl sie dieser Tage einen vollen Terminkalender haben, nehmen sich die Kandidierenden für die Kommunalwahl Zeit, mit den Jugendlichen zu diskutieren und sich über ihre Anliegen auszutauschen. So ließen sich die Bürgermeisterkandidaten aus Röthlein im Kreis Schweinfurt kürzlich zu einer Gruppenstunde der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) des Ortsteils Heidenfeld einladen. Die vier Kurzvideos dienten bei dieser Begegnung als Brückenbauer. „Dadurch konnten sich die Kandidaten gut in die Themen der Jugendlichen hineinversetzen“, so Simon.

Es lohnt sich, Jugendthemen einmal anders zur Debatte zu stellen, so das Fazit der drei Jugendringe nach den ersten Erfahrungen mit dem Projekt „Komm red‘ mit!“. Auch wenn der Aufwand groß ist. Rund 15.000 Euro flossen in die Umsetzung der Kampagne. Alle entwickelten Materialien können nun auch von anderen Jugendringen genutzt werden, um ihre politischen Forderungen zu artikulieren.

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Video Florian Töpper

Video Lothar Zachmann